Donnerstag, 15. Dezember 2016

Das kleine buckelige Mädchen

Mitte des 19Jhdts hat ein unbekannter Werbetexter in Amerika für ein großes Kaufhaus zur Weihnachtszeit ein Gedicht über ein Renntier mit einer roten Nase geschrieben.
Das aus diesem Gedicht einmal ein weltbekanntes Weihnachtslied wird, hat er sicher nicht geahnt.
Inspiriert durch diese Lied habe ich mein ganz besonderes Renntier erschaffen.




Bevor ich mit Jaspers Abenteuern beginne, möchte ich euch eine kleine Geschichte erzählen, die mir jedes Mal wenn ich sie gelesen habe, die Tränen in die Augen trieb.
Der Ursprung dieser Geschichte ist nicht bekannt, aber der Arzt und Schriftsteller Richard von Volkmann( 1830 -1899 – Pseudonym Leander) hat sie in seinem Büchlein : „Träumereien an französischen Kaminen“ nach erzählt.




Das kleine buckelige Mädchen

 
Es war einmal eine Frau die hatte ein einziges Töchterchen, das war sehr klein und blass und wohl etwas anders wie andere Kinder.
Denn wenn die Frau mit ihr spazieren ging, blieben die Leute stehen und tuschelten.
Doch wenn das Kind ,dem dies auffiel , die Mutter fragte.
Mama, warum sehen die Leute mich so sonderbar an?“ da antwortete die Mutter:
Weil du so ein hübsches Kleid an hast.“
Zu Hause aber nahm sie das kleine Mädchen in den Arm, herzte und küsste es und murmelt:
Mein lieber Herzensengel, was soll nur aus dir werden, wenn ich mal nicht mehr bin. Kein Mensch weiß es, was für ein lieber Engel du bist, nicht einmal dein Vater.“
Dann starb die Mutter und nach einiger Zeit nahm der Vater eine andere Frau.
Das kleine Mädchen hatte seit seine Mutter gestorben war jeden Tag von früh bis abends in der Stube auf dem Fensterbrett gesessen, denn es fand sich niemand, der mit ihm ausgehen wollte.
Es war in den letzten Jahren noch blässer geworden und gewachsen war es auch nicht.
Als nun die neue Mutter ins Haus kam, dachte es:
Jetzt wirst du wieder spazieren gehen, vor die Stadt , im lustigen Sonnenschein auf den hübschen Wegen, an denen die schönen Sträucher und Blumen stehen und wo die vielen schön gekleideten Menschen sind.“
Denn es wohnte in einem kleinen, engen Gässchen in welches die
Sonne nur selten hinein schien und wenn man auf dem Fensterbrett saß, sah man nur ein Stückchen blauen Himmel, so groß wie ein Taschentuch.
Die neue Mutter ging jeden Vormittag und jeden Nachmittag aus und dabei zog es jedesmal ein schönes Kleid an, schöner als die
alte Mutter es besessen hatte, doch das Kind nahm sie niemals mit.
Da fasste sich dieses endlich ein Herz und eines Tages bat es inständig, sie möchte es doch mitnehmen.
Doch die neue Mutter schlug es ihr rundweg ab, indem sie sagte:
Du bist wohl nicht recht gescheit. Was sollen wohl die Leute denken, wenn ich mich mit dir sehen lasse. Du bist ja ganz buckelig und buckelige Kinder gehen nie spazieren, die bleiben immer zu Hause.“
Darauf wurde das kleine Mädchen ganz still und sobald die neue Mutter das Haus verlassen hatte, stellte es sich auf einen Stuhl und besah sich im Spiegel und wirklich es war buckelig.
Da setzte es sich wieder auf das Fensterbrett und sah hinab auf die Straße und dachte an seine gute alte Mutter, die es doch jeden Tag mitgenommen hatte.
Dann dachte es wieder an seinen Buckel.
Was nur da drin ist,“ sagte es zu sich selbst,“ es muss doch etwas in so einem Buckel drin sein.“
Und der Sommer verging und als der Winter kam, war das Mädchen so schwach, dass es nicht auf der Fensterbank sitzen konnte, sondern stets im Bett liegen musste.
Und als die Schneeglöckchen ihren ersten grünen Spitzen aus der Erde hervor streckten, da starb das Mädchen.
Weine nicht Mann,“ sagte die neue Mutter,“ es ist für das arme Kind so am besten .“
Und der Mann erwiderte kein Wort und nickte stumm mit dem Kopf.
Als nun das Mädchen begraben war, kam ein Engel mit großen, weißen Schwanenflügel vom Himmel herab geflogen und klopfte an das Grab, als wenn es eine Tür wäre.
Alsbald kam das kleine Mädchen aus dem Grab hervor und der Engel erzählte ihm, er sei gekommen, um es zu seiner Mutter in den Himmel zu holen.



Da fragte das kleine Mädchen schüchtern, ob denn buckelige Kinder auch in den Himmel kommen.Es könne sich das gar nicht vorstellen, weil es doch im Himmel so schön und vornehm war.
Jedoch der Engel erwiderte : „ Du gutes liebes Kind, du bist ja gar nicht buckelig!“ und berührte ihm den Rücken mit seiner weißen Hand. Da fiel der garstige alte Buckel ab wie eine hohle Schale.
Und was war darin?
Zwei herrliche weiße Engelflügel!
Die spannte es aus, als wenn es schon immer fliegen gekonnt hätte
und flog mit dem Engel durch den blitzenden Sonnenschein in den blauen Himmel hinauf.
Auf dem höchsten Platz im Himmel aber saß seine gute alte Mutter und breitet ihm die Arme entgegen.
Da flog es gerade auf deren Schoß.

Diese Geschichte habe ich im Original abgeschrieben, der Erzählstil entspricht der damaligen Zeit.
Auch habe ich einige unwichtige Zeilen ausgelassen, da die Geschichte sonst zu lang würde.




Morgen stelle ich euch dann Jasper vor

1 Kommentar:

  1. Liebe Lore, das ist eine schöne, traurige Geschichte. Schön, dass Du sie aufgeschrieben hast. Bin auf Jasper gespannt. Liebe Grüße Eva

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