Donnerstag, 1. Dezember 2016

Das kleine rote Auto und der Tannenbaum

Glaubt ihr nicht auch, dass viele Tannenbäume, die draußen im Wald stehen, davon träumen einmal ein Weihnachtsbaum zu sein.
Der Baum in meiner Geschichte hatte diesen Wunsch schon seit vielen Jahren .
Viel Spaß beim Lesen!



 
Das kleine rote Auto und der Tannenbaum


Herr Oskar sieht sich vergnügt um.
Seit Tagen schon lässt Frau Holle die Schneeflocken auf die Erde rieseln und hat den Wald in eine weiße flauschige Decke gehüllt.
Klein Oskar, Bruno und Bellinda toben jauchzend durch den Schnee und bewerfen sich mit Schneebällen.
Katrin klettert nach vorn und sieht stillvergnügt ihren Kindern zu.
Danke auch Herr Oskar, dass sie Frau Eule das Versprechen abgenommen haben uns in Ruhe zu lassen.“
Gerne doch Frau Katrin, möchte ja meine Familie nicht verlieren,“ schmunzelt Oskar, „ aber trotzdem wäre es geraten nachts hier drinnen zu bleiben, denn die Augen von Frau Eule sind sehr schlecht.“
Frau Katrin lacht: „Schön, dass sie uns zu ihrer Familie zählen, überhaupt ist mein Leben nur noch wunderbar seit ich sie getroffen habe.“
Herr Oskar schmunzelt, „ aber meines auch und die Kinder machen mir große Freude, aber wo ist denn Max?“
Frau Blaumeise hat ihm eine Nachricht von seinem Vetter, der Kirchenmaus gebracht.“
Ach ja die Vögel sind schon einige Zeit nicht mehr hier, sind doch nicht alle in den Süden geflogen?“
Nein, aber diejenigen, die hier überwintern sind näher zur Stadt gezogen, denn dort stellen die Menschen Vogelhäuschen mit Futter auf.“
Das ist aber nett! Herr Armin ist heute Morgen mit seinen Damen in den Wald gegenüber gegangen, da dort die Menschen Futterkrippen aufgestellt haben.“
Miranda, das Eichkätzchen schlüpft durch das Fenster und seufzt:
Bin vor Hunger aufgewacht und wollte an meine Vorräte, habe aber wieder einmal vergessen wo ich sie vergraben habe.“
Herr Oskar lacht: „ Welch ein Glück, dass ich aufgepasst habe. Sehen sie da vorne die große alte Tanne? Darunter liegen ihre Nüsse.“
Danke, sie sind ein Schatz!“
Schmunzelnd beobachten sie wie Miranda zu graben beginnt, der Schnee fliegt nur so nach allen Seiten.
Neugierig sehen die drei Mäusekinder zu, wie nun eine Nuss nach der anderen zum Vorschein kommt.
Das Wasser läuft ihnen im Mund zusammen.
Miranda beginnt nun eine Nuss nach der anderen in ihren Kobel hoch oben im Baum zu tragen.
Die letzten zwei Nüsse aber knackt sie, sagt etwas zu den Kindern und verschwindet.
Das ist aber nett, sie hat den Kindern die letzten Nüsse geschenkt, ich werde mal nachsehen.“
Bald erscheinen die vier Mäuse gesättigt und zufrieden und klettern ins Auto.
Katrin trägt ein Stück der Nuss und meint:
Ich habe für Max ein Stück aufgehoben, der wird sicher Hunger haben nach der langen Reise.“
Gegen Abend kommt der Mäuserich dann nach Hause und verkündet freudestrahlend , dass Vetter Heinrich sie alle über Weihnachten eingeladen hat, denn nirgends wird dieses Fest so schön gefeiert wie in der Kirche.
Auch er hat etwas für die Speisekammer mitgebracht, einen großen runden Keks, den er vor der Kirche gefunden hat.
Bald liegt die kleine Familie gesättigt und müde in der Höhle von Wolle unter dem Rücksitz und Herr Oskar träumt von früher. Der Duft des Weihnachtskeks erinnert ihn an seine erste Besitzerin, die mit Geschenken auf dem Rücksitz und einer Tüte dieser duftenden Kekse zu ihren Eltern gefahren ist.
Überall waren die Straßen geschmückt und auf dem Marktplatz stand ein leuchtender großer Tannenbaum und seine Besitzerin sang fröhlich die Lieder, die aus dem Radio erklangen mit.
Das war schön!
Mit einem Lächeln schläft Herr Oskar ein.
Ein bitterliches Weinen schreckt ihn aus seinem tiefen Schlummer.
Herr Oskar lässt seine vorderen Scheinwerfer leuchten, doch kann er niemand entdecken. Auch der frisch gefallene Schnee zeigt keine Spuren.
Da sieht er, dass an dem alten Tannenbaum, unter dem Miranda ihre Nüsse vergraben hatte, dicke große harzige Tränen den Stamm herunterrollen.
Herr Tannenbaum, warum weinen sie denn so schrecklich!“
Entschuldigen sie Herr Oskar, habe ich sie geweckt?
Aber diesen ganze Gerede über Weihnachten hat mich so traurig gemacht.
Meine Großmutter hat mir einst erzählt, dass wir Tannenbäume eine große Bedeutung haben.
Wir werden auserwählt in den Stuben der Menschen zu leuchten am Geburtstag des Herrn Jesus.
Kurze Zeit später wurde sie abgeholt und auch Jahre darauf mein Vater.
Doch dann starb der alte Herr, dem der Wald gehört und seine Erben sind in alle Winde verstreut.
Seitdem kümmert sich niemand mehr um diesen Wald und die Weihnachtsbäume werden gegenüber geholt.
Und ich bin der Einzige aus meiner Familie, der niemals zu Ehren des Christkindes leuchten wird. Es ist schon traurig!“
Wieder laufen die Tränen den Stamm hinunter.
Herr Oskar ist traurig und weiß nicht was er sagen soll.
Gerade ist er wieder eingeschlafen, da klopft es an die
Scheibe.
Herr Oskar öffnet das Fenster und Frau Eule schlüpft herein.
Schließen sie das Fenster,“ befiehlt sie.
Gehorsam lässt Herr Oskar die Scheiben nach oben gleiten.
Frau Eule hat es sich inzwischen auf dem Sitz bequem gemacht.
Sehr gemütlich hier.
Ich habe das Gespräch zwischen ihnen und dem alten Tannenbaum mit angehört.
Er steht schon seit vielen Jahrzehnten hier.
Meine Großmutter kannte ihn schon und wusste nur Gutes zu berichten.
Und darum dachte ich, wir sollten ihm etwas schenken und seinen Wunsch erfüllen und aus ihm einen Weihnachtsbaum machen.“
Aber wie soll das denn gehen? Ach vielleicht die Elfen?“
Nein die schlafen doch im Winter unter der Erde bei den Wurzeln ihrer Blumen.
Aber in der Nähe ist das Wichteldorf und vor vielen Jahren hat der Tannenbaum den Sohn des Königs gerettet, als er von einem Fuchs gejagt wurde.
Das hättet ihr sehen sollen.
Mit seinem untersten Zweig hat er dem Fuchs so einen Schlag versetzt, dass der rückwärts einen Salto geschlagen hat und mit eingezogenem Schwanz davon geschlichen ist.“
Sie meinen also, dass die Wichtel den Baum schmücken können, aber ist er nicht zu hoch für sie?“
Die Wichtel sollen nur die Girlanden basteln und die Vögel werden sie dann um den Baum winden.“
Und ich will das Christkind überreden, dass es hier vorbeikommt!“
Max, der der Unterhaltung gelauscht hat kommt nun nach vorn, bleibt aber in sicherer Entfernung zu der Eule.
Kennst du denn das Christkind?“ fragt diese erstaunt.
Nein, aber mein Vetter, denn es kommt jedes Jahr zur Christmette in die Kirche, wo er wohnt.“
Gut dann werde ich morgen zu den Wichtel fliegen, lass mich bitte hinaus Oskar, bevor dein kleiner Freund noch vor Angst in die Hosen macht!“
Max schnaubt empört, die Eule grinst und verlässt mit rauschenden Flügel das Auto.
Und nun beginnt ein heimliches Wirken.
Alle Tiere sind inzwischen eingeweiht und freuen sich schon auf Hl.Abend und die große Überraschung für die Tanne.
Am Morgen des lang ersehnten Tages kommt Armin von Hohenwalde durch den Wald geschritten und trägt auf seinem Geweih viele bunte glitzernde Girlanden.
Neben ihm trippeln kichernd und schwatzend die kleinen Wichtel.
Vor dem alten Tannenbaum bleiben sie stehen.
Armin neigt sein Haupt und die Girlanden fallen in den Schnee.
Nachdem die Wichtel sie entwirrt haben kommen aus den umliegenden Bäumen die Vögel und winden sie um den alten Tannenbaum, der aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt.
Danke, danke!“ stammelt er nur immer wieder.
Armin von Hohenwalde aber erklärt ihm, dass sie heute Nacht sich alle hier zusammen finden werden, um gemeinsam den Geburtstag des Christkinds zu feiern.
Und so war es dann auch.
Sie versammeln sich unter dem Baum, der voller Stolz seinen schönen Schmuck trägt und der König des Waldes Armin erzählt die Weihnachtsgeschichte, wie er sie schon von seiner Mutter gehört hatte.
Dann singen sie Weihnachtslieder und auch Herr Oskar brummt mit.
Auf einmal erklingt ein liebliches klingeln und ein goldener Schlitten kommt herunter geschwebt.
Grinsend springen Max und seine Familie in den Schnee und das Christkind im goldenem Gewand tritt zu dem Tannenbaum und sagt mit lieblicher Stimme.
Ich habe gehört, dass es dein größter Wunsch war für mich an meinem Geburtstag zu leuchten. Dafür danke ich
dir aus vollem Herzen.Und damit du auch wirklich leuchtest schicke ich dir meine Sterne vom Himmel.“
Es hebt die Hand und die Sterne fallen vom Himmel und setzen sich auf die Zweige und der Baum erstrahlt in einem hellen Licht.
Der alte Tannenbaum ist überwältigt vor Glück und stammelt nur immer wieder: „ Danke, danke!“
Das Christkind lächelt freundlich und meint:
Die Sterne werden bis zum Dreikönigstag bei dir bleiben, dann kehren sie zurück an den Himmel. Nun lebt wohl meine lieben Freunde.“
Der Schlitten erhebt sich und fährt zu den Wolken.
Unter dem Baum aber türmen sich Säcke voll mit den herrlichsten Dingen. Äpfel und Birnen, Heu und Hafer, Nüsse, Kastanien und Karotten, selbst an Speck und Käse für die Mäuse hat das Christkind gedacht.
Der alte Tannenbaum aber träumte noch viel Jahre davon, wie er einmal ein Weihnachtbaum sein durfte.

© Lore Platz



1 Kommentar:

  1. Ach Lore, so viel Fantasie wie Du hast, einfach toll!
    Eine wirklich hübsche Geschichte, sie macht mir Freude!
    Danke schön und liebe Grüße
    Marle

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