Montag, 21. November 2016

Ingelore findet Weihnachten







Oft werde ich gefragt woher ich meine Ideen zu meinen Geschichten habe, das ist verschieden.

Manchmal genügt ein Wort  oder mehrere, wie auf meinem Blog 
 http://maerchenzauber.blogspot.de/

auf dem ich zusammen mit vier Freundinnen zweimal im Moment Reizwortgeschichten schreibe.
Ich liebe Musik und höre den ganzen Tag Radio oder spiele CDs und auf einmal fällt mir zu einem Lied eine Geschichte ein.
Auch habe ich von meinem Fenster aus einen wunerbaren Blick in die Natur und manchmal verwandelte sich ein Schmetterling plötzlich in eine Elfe und eine neue Geschichte ist geboren.
Oder  jemand erzählt mir etwas aus seinem Leben, wie in der folgenden Geschichte.
Eine liebe Internetfreundin wurde als Baby von ihrer Mutter im Bett ihrer Tante "vergessen"  weil sie mit ihrem Freund nach Amerika auswandern wollte.
Die Tante nahm sich des Kindes an, gehörte aber den Zeugen Jehovas an, die niemals Geburtstag oder Weihnachten feierten.
Inge wanderte am Heiligen Abend durch die Straßen und sah voller Sehnsucht in die weihnachtlich erleuchteten Fenster und  beneidete die glücklichen 
Familien.
Aus dieser Erzählung entstand die nachfolgende Geschichte.
Viel Spaß beim Lesen!
Da meine Freundin Inge heißt und ich Lore entstand der Name Ingelore.
  



Ingelore findet Weihnachten


Es ist eine kalte Septembernacht.

Die Sterne funkeln und der Mond scheint auf die kleine Hütte am Rande des Dorfes.

Oben am Dachfenster steht ein kleines Mädchen und schaut in den sternenklaren Himmel.

Es ist die neunjährige Ingelore.

Wegen der Kälte hat sie sich eine Decke um die Schultern gelegt und hält sie zitternd vorne zusammen.

Traurig denkt sie, ob ihre Mutter wohl im Himmel war?

Pfarrer Broderich hatte gesagt: „Sünder kamen nicht in den Himmel!“

Und ihre Mutter war ja wohl eine Sünderin.

„Flittchen, Hure!“ hatten die Leute im Dorf sie bezeichnet und dass sie, Ingelore ein Bastard sei, weil niemand wusste, wer ihr Vater war.

Vor vier Jahren hatte ihre Mutter sie zur Oma gebracht und war wenig später mit Lutz ihrem damaligen Freund tödlich verunglückt.

Ingelore konnte sich noch genau daran erinnern.

Fünf Jahre alt war sie gewesen, als sie eines Nachts erwachte und ihre Mutter nebenan weinen hörte.

„Das kann ich nicht, sie ist doch mein Kind!“

„Nun, überlege es dir, sie oder ich, ich habe keine Lust das Gör nach Amerika mit zu nehmen“ die Stimme von Lutz klang unerbittlich.

„Aber wohin soll ich sie denn bringen,“ rief ihre Mutter schluchzend.

„Gib sie meinetwegen in ein Heim, oder vergiss sie einfach im Supermarkt!“

Ingelore hätte sich am liebsten die Ohren zugehalten. Wie sehr sie den Freund ihrer Mutter doch hasste.

Eine Weile war es still im Nebenzimmer, dann hörte sie Mama mit stockender Stimme sagen:

„Meine Mutter lebt in einem Dorf bei Heidelberg, vielleicht kann ich sie zu ihr bringen?“

„Gut, morgen fahren wir hin, ja eher wir das Gör los sind, umso besser. Aber nun komm, sei lieb zu mir, gib mir einen Kuss!“

Ingelore aber vergrub ihr Gesicht im Kissen, damit niemand ihr Schluchzen hörte.

Sie zitterte am ganzen Körper vor Angst und fühlte sich so allein und einsam.

Wenn es auch nicht immer schön war bei Mama, besonders wenn sie mal wieder einen neuen Freund hatte, so war das doch ihr zuhause, in dem sie sich geborgen fühlte.

Und nun sollte sie weg, für immer, zu einer Oma, von der sie bisher noch nie gehört hatte.

Irgendwann war das Mädchen dann eingeschlafen.

Ihre Mutter hatte rotgeweinte Augen, als sie am nächsten Morgen in ihr Zimmer kam und während sie ihren Koffer packte, erzählte sie etwas hektisch von der Oma, zu der Ingelore für einige Zeit gehen sollte.

Ingelore ließ alles schweigend über sich ergehen. Seit Lutz bei ihnen wohnte schwieg sie sowieso meistens, denn Lutz konnte sehr böse werden, wenn ihm etwas nicht passte.

Still saß sie auch auf dem Rücksitz des Autos und blickte durch das Seitenfenster auf die vorbei fliegende Landschaft.

Sie fuhren durch ein Dorf und hielten vor einem kleinen Häuschen.

„Beeil dich,“ rief Lutz ihnen nach, als sie das

Gartentor öffneten und den Kiesweg entlang auf das Haus zugingen.

Rechts war eine Ziege an einen Pfahl angebunden und meckerte sie an.

Einige Hühner flohen flügelschlagend vor ihnen und eine getigerte Katze saß auf der Fensterbank und blickte ihnen gelangweilt entgegen.

Mama klopfte an die Tür.

Schlurfende Schritte waren zu hören und die Tür öffnete sich einen Spalt.

„Hallo Mama.“

Mit zusammengekniffenen Augen betrachtete die alte Frau ihre Tochter.

„Lange nicht gesehen, was willst du?“

„Ich wollte dir deine Enkelin Ingelore vorstellen:“

Die Alte warf einen kurzen Blick auf das Kind und bellte unfreundlich.

Nun, ich habe sie gesehen, du kannst wieder gehen.“
Die Tür fiel ins Schloss.

Die Mama führte Ingelore auf die Bank neben der Tür, stellte den Koffer daneben und sagte:

„Warte hier bis die Oma wieder heraus kommt, sie wird sich um dich kümmern. Leb` wohl!“

Sie umarmte sie flüchtig und lief davon.

Der Motor heulte auf und das Auto fuhr weg.

Still saß Ingelore, mit brav gefalteten Händen auf der Bank.

Stundenlang!

Eine getigerte Katze setzte sich neben sie, als wollte sie sie beschützen.

Als es dämmerte kam die alte Frau aus dem Haus einen Blecheimer in der Hand.

Sie stutzte, als sie das Kind sah, sah sich kopfschüttelnd um, murmelte etwas vor sich hin und

raunzte, „komm rein!“

Das war vor vier Jahren und seitdem ist Ingelore nun bei ihrer Oma.



„Miauuuu“, Minka, die getigerte Katze balanciert geschmeidig über die Dachtraufe und springt dann neben ihr ins Zimmer.

Sie streckt sich, macht einen Buckel und streicht schmeichelnd um die Beine des Mädchens.

Als sich dieses bückt und sie streichelt, schnurrt sie laut.

Minka hat sie als einzige willkommen geheißen und ihr Freundschaft geschenkt und seitdem fühlt Ingelore sich nicht mehr allein.



Bald liegen die beiden eng aneinander geschmiegt im Bett und schlafen tief und fest.

Morgen geht es weiter
 

 

Kommentare:

  1. Puh, das Verhalten der Mutter ...
    dieser kaltherzige Mann,
    ich bin entsetzt und betroffen.
    LG
    Marle

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  2. Das Leben kann so grausam sein. Man kann es sich gar nicht vorstellen, dass eine Mutter einfach so ihr Kind verlässt. Wie kann eine Mutter so etwas nur über das Herz bringen? Und dieser abscheuliche Mann. Schrecklich!
    LG
    Astrid

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