Montag, 28. November 2016

Ingelore findet Weihnachten Fortsetzung 7

Ich hoffe, ihr hattet gestern einen schönen gemütlichen Sonntag. 
Nun lehnt euch zurück, genießt euren Tee , Kakao oder Kaffee und einen Lebkuchen, ach ja eine Kerze fehlt noch und jetzt viel Spaß beim Lesen.




 


Der alte Krishna erzählt


Tobias setzt den letzten Punkt unter seinen Aufsatz. Geschafft! Er stopft das Heft in den Schulranzen und springt auf, um dann polternd die Treppe hinunter zu laufen.
Er schnürt gerade seine Stiefel, als die Mutter mit seiner kleinen Schwester an der Hand vom Keller herauf kommt.
Tobi, bist du so lieb und nimmst Andrea mit, heute kommt Frau von Ützen zur Anprobe und du weißt sie ist immer sehr eigen und vor allem empfindet sie
Kinder als störend.“
Seine Mutter war Schneiderin und der Vater hatte ihr im Keller ein Atelier eingerichtet und sie war sehr erfolgreich.
Warum kann denn Lisa nicht aufpassen!“
Lisa war das Nachbarmädchen, sie war schon Studentin und besserte gerne ihr Taschengeld durch Babysitten auf.
Lisa schreibt morgen eine Klausur und muss lernen, bitte mein Großer!“
Der Zehnjährige nickt und hilft seiner kleinen Schwester in den Schneeanzug.
Andrea freut sich, sie liebt ihren großen Bruder und geht gerne mit ihm.
Auch Tobias liebt seine kleine Schwester, aber heute wollte er mit seinem Freund Bertram am Hang zum Rodeln gehen, aber mit der Kleinen war das nicht möglich.
Er nimmt Andrea an die Hand und sie gehen den kurzen Weg zum dem Haus, in dem Bertram wohnt.
Dieser öffnet mit missmutigem Gesicht, doch als er Andrea sieht, grinst er.
Du auch? Ich muss Elke mitnehmen, denn meine Mutter muss zum Zahnarzt.“
Frau Mertens kommt in den Flur, ihre Backe ist geschwollen, doch als sie Andrea sieht, lächelt auch sie.
Da wird Elke sich aber freuen und Bertram wird auch nicht mehr so grummelig sein, wenn ihr beide heute Babysitten müsst.“
Die beiden Mädchen laufen Hand in Hand voraus, während sie Jungen ihnen langsam folgen.
Etwas sehnsüchtig sehen sie zum Hang hinüber,wo die Kinder johlend auf Schlitten oder Plastiktüten hinunter rutschen.
Was machen wir nun?“ will Bertram wissen.
Tobi zuckt die Schultern, doch dann hat er eine Idee.
Wir gehen zu Krishna!“

Krishna war der alte Schäfer des Dorfes und wohnte mit seinen Schafen in einem umgebauten Schuppen.
Er war früher zur See gefahren und konnte wunderbare Geschichten erzählen, von Haien, Löwen und Tiger, ja, einmal war er sogar im Bauch eines Walfisches gefangen.
Und beinahe wäre er auch in einem Suppentopf bei den Kannibalen gelandet.
Bald sitzen sie auf Heuballen bei dem alten Schäfer im Schuppen und hoffen auf eine Geschichte .
Der alte Mann hat aus dem Nebenraum, in dem sich eine kleine Küche befindet für alle Kakao geholt und
nun hat jedes der Kinder einen warmen Pott zwischen den Händen und aufmerksam beobachten sie Krishna dabei, wie er seine Pfeife stopft.
Der alte Schäfer lächelt und meint:
Gefällt euch wohl meine Pfeife, joo Kinders die bekam ich mal als junger Mann, vom Hl. Nikolaus geschenkt, zum Dank dafür, dass ich den Knecht Ruprecht vertreten habe.
Wollt ihr die Geschichte hören?“
Die Kinder nicken eifrig und selbst die Schafe blöken und drängen näher ans Gatter, als wollten auch sie zuhören.
Arno, der Schäferhund legt sich zu Füßen seines Herrn, der genüsslich an seiner Pfeife zieht und beginnt:
Als junger Mann bin ich zur See gefahren, wie ihr ja wisst, war eine schöne Zeit.
Nur meiner alten Mutter, der war es nicht recht, wenn ich nur alle paar Monate nach Hause kam.
Wieder einmal hatte ich Landurlaub und stapfte mit meinem Seesack auf den Schultern durch den Wald, durch den man zum Haus meiner Mutter kam.
Da hörte ich plötzlich ein komisches Geräusch, leise ging ich weiter, denn man konnte ja nie wissen, was einem so begegnet im Wald.



Da sah ich doch einen Schlittern, der umgekippt im Schnee lag und in einem großen Schneehaufen steckte kopfüber ein Bär!
Nun ging ich vorsichtig näher, bisschen bange war mir schon, aber ich konnte das arme Tier ja nicht so liegen lassen.
Also fasste ich von hinten an das zotteligen Fell und zog kräftig daran.
Auf einmal gab es einen Ruck und beide saßen wir im Schnee.
Nu fing doch der Bär plötzlich zu sprechen an und ich sah, dass es ein potthässlicher Kerl war, der nur einen zotteligen Mantel anhatte.
Danke Krishna,“ stöhnte er, „ich hätte beinahe keine Luft mehr bekommen.
Woher kennst du mich denn?“ fragte ich perplex.
Ich kenne dich schon seit deiner Kindheit, warst ein wilder Bursche und hast deiner Mutter viel Kummer gemacht, mehr als einmal musste ich die Rute da lassen. Ich bin nämlich Knecht Ruprecht!“
Und wo ist der Hl.Nikolaus?“
Der besucht gerade einige Kinder im Dorf.
Ich sollte im Schlitten warten, weil einige Mädels sich so fürchten vor mir.
Und weil mir langweilige war, bin ich ein wenig spazieren geflogen, aber nicht hoch genug, habe mich in den Bäumen verheddert und diese Bruchlandung hingelegt. Hilf mir mal hoch!“
Immer noch verdatterte half ich ihm auf die Beine, doch mit einem Stöhnen kippte er wieder um.
Ich konnte ihn gerade noch festhalten und half ihm sich auf meinen Seesack zu setzen.
Er rieb sein Bein. „Ich denke es ist gebrochen,“ jammerte er.
Da ich etwas von Heilkunde von meiner Mutter gelernt hatte, untersuchte ich das stark geschwollene Bein. Es war nicht gebrochen, aber wohl verstaucht.
Aber wisst ihr was Kinners, der olle Kinderschreck jammerte wie eine Memme.




Dann kam der Hl. Nikolaus in Begleitung zweier Engel zwischen den Bäumen auf uns zu.
Der heilige Mann betrachtete kopfschüttelnd das Häufchen Elend, das da zusammen gekauert auf meinem Seesack hockte, dann sah er hinüber zu dem umgestürzten Schlitten.
Denkst du Krishna, du kannst den Schlitten alleine aufrichten, Ruprecht wird dir wohl nicht helfen können.“
Dieser zog den Kopf ein und wurde tatsächlich rot.
Bald hatte ich den Schlitten wieder startbereit.
Ich warf meinen Seesack auf den Rücksitz und half dem ollen Ruprecht, der keinen Laut von sich gab
und kein bisschen mehr jammert, hinauf.
Die Engel kletterten auch auf den Seesack und hüpften kichernd darauf herum.
Ich selbst aber klemmte mich hinter das Steuer und der Hl. Mann setzte sich neben mich.
Denkst du, du kannst den Schlitten fahren?“ fragte der Nikolaus.
Ich besah mir die vielen Knöpfe und meinte etwas großspurig:
Wer einen großen Dampfer fahren kann, der kann auch so ein kleines Ding vorwärts bringen!“
Na,na!“ meinte der Hl. Nikolaus.
Ich ließ mir von Knecht Ruprecht die vielen Knöpfe erklären, dann drückte ich vorsichtig auf den Startknopf.
Der Schlitten ruckelte ein wenig, hopste in die Höhe und blieb still stehen.
Nach einigen Versuchen hatte ich es raus wie man das Ding in Bewegung setzte und potzblitz standen wir vor Mutterns Hütte.
Die Gute war ganz aufgeregt, als wir plötzlich alle in der Stube standen.
Sie führte den Bischof zu ihrem Lieblingssessel am Kamin und den Engeln drückte sie jedem einen Keks in die Hand.
Ich hatte Knecht Ruprecht inzwischen bei der Ofenbank abgeladen, der keinen Mucks abgab, denn er schämte sich wohl vor dem hl.Mann
Als ich ihm mit meinem Messer den Stiefel aufgeschnitten hatte, begann das Bein anzuschwellen wie eine rote Melone.
Meine Mutter holte gleich ihre Töpfchen mit Salben und Tinkturen und ich setzte mich an den Tisch und suchte nach meiner Pfeife.
Dann fiel mir ein, dass sie ja auf der letzten Reise über Bord gefallen war und sich nun sicher der Wassermann daran erfreute.
St. Nikolaus aber bat mich, ihn doch anstelle von Knecht Ruprecht zu begleiten, denn so wie es aussieht, wäre der im Moment keine große Hilfe.
Sie müssten nur noch die umliegenden Dörfer besuchen, dann ging es zurück in den Himmel.
Natürlich sagte ich zu und bemerkte, dass meine Mutter mächtig stolz auf mich war.
Ich schlüpfte also in den zotteligen Mantel von Knecht Ruprecht.
Als dieser mich darauf hinwies, dass in der rechten Manteltasche die Rute steckt, schüttelte ich den Kopf.
Ne, ich erschrecke keine kleinen Kinder und schlage sie auch nicht!“
Musst du auch nicht, du kannst im Schlitten draußen warten. Es sind überwiegend brave Kinder die wir besuchen und bei den wenigen Raubauken, genügt es wenn du durch das Fenster guckst.
Gerade die Wildesten fürchten sich am meisten.
Und Knecht Ruprecht schlägt auch keine Kinder, das würde ich nie erlauben. Er übertreibt es nur manchmal mit seinen Drohungen.“ beruhigte mich der Nikolaus.
Dann ging es los. Schneller als der Wind sausten wir durch die Gegend und es war weit nach Mitternacht, als wir wieder vor Mutterns Hütte standen.
Knecht Ruprecht saß auf der Ofenbank, das dick verbundene Bein auf einem Schemel und schlürfte mit vergnügtem Gesicht eine Tasse Kakao.
Bald hatten auch wir jeder eine Tasse Kakao in der Hand, dazu hatte Muttern eine große Platte mit belegten Broten gemacht und freute sich wie wir reinhauten.
Wir erzählten und lachten bis die Sonne aufging, dann weckten wir die Engel, die auf dem Sofa eingeschlafen waren und ich half Knecht Ruprecht auf den Schlitten.
Diesmal musste er fahren, aber da dank meiner Mutter sein Fuß nicht mehr schmerzte war er ganz fidel.
Bevor sie abfuhren reichte der Hl. Nikolaus mir diese wunderschöne Pfeife und Muttern bekam ein warmes Wolltuch und eine schöne Schatulle für allerlei Krimskrams.
Wir winkten ihnen noch nach, bis sie nur noch ein kleiner Punkt am Horizont waren.
Die Pfeife aber habe ich bis zum heutigen Tag in Ehren gehalten.“
Eine Weile ist es still, dann seufzen die Mädchen, das war eine schöne Geschichte.
Tobias aber sieht auf seine Armbanduhr, die er zum Geburtstag geschenkt bekommen hat und meint bedauernd:
Nun müssen wir leider nach Hause.“
Sie bedanken sich bei Krishna für die heiße Schokolade und die tolle Geschichte, dann verlassen sie die Scheune.
Während die Mädchen kichernd voraus laufen, sind die beiden Jungen auffallend still.
Denkst du, die Geschichte ist wahr?“ fragt Tobi seinen Freund.
Bertram zuckt mit den Schultern.
Mein Vater sagt, dem Krishna darf man nicht alles glauben, er spinnt gerne Seemannsgarn.“
Was ist das?“
Keine Ahnung!“
Da trifft ihn ein Schneeball.
Die Mädchen haben sich kichernd hinter den
Büschen versteckt und bewerfen sie von dort mit Schneebällen.
Na wartet!“
Die Jungen bücken sich und formen nun ebenfalls Schneebälle und bald sind sie mitten in einer fröhlichen Schneeballschlacht.




In diesem Moment pocht es an der Tür, Ketten rasseln und donnernd schlägt etwas blechernes zusammen.
Ingelore zuckt zusammen und blickt erschrocken zur Tür.
Was ist denn da draußen los?“
Frau Naumann tauscht mit ihrer Tochter einen amüsierten Blick.
Gretchen hat es wohl zu sehr übertrieben.
Schmunzelnd meint Andrea.
Nun Ingelore heute ist doch Nikolaus. Vielleicht will er dir einen Besuch abstatten.“
Das Mädchen lacht.
Der Nikolaus ist doch eine Legende und außerdem klang das so,als würden die Köchin und Gretchen einige Töpfe zusammen schlagen.“
Andrea beißt sich auf die Lippen, um nicht laut loszulachen.
Das Kind war einfach zu schlau.
Weißt du was, wir sehen einfach mal nach.
Sie nimmt Ingelore an der Hand und öffnet die Tür.
Es ist niemand im Flur zu sehen.
Gretchen und die Köchin haben sich versteckt und beobachten leise kichernd was jetzt geschah.
Ingelore sucht mit den Augen den Flur ab dann fällt ihr Blick auf ein Paar wunderschöne Stiefel.
Sie lässt vor Freude einen Quietscher los und bückt sich.
Mit den Stiefeln unter dem Arm und einer Leinentasche in der anderen Hand kommt sie ins Zimmer zurück.
Sie stellt die Tasche vorsichtig auf den Tisch und setzt sich auf den Boden, um in die Stiefel zu schlüpfen.
Dann stolziert sie durch die Stube.
Frau Nauman beobachtet sie schmunzelnd.
Und passen sie?“
Das Mädchen nickt begeistert, dann fällt sie abwechselnd Mutter und Tochter Naumann um den Hals.
Danke, danke!“ stammelt sie.
Andrea lächelt. „Hast du denn schon in die Tasche geguckt.“
Ingelore schüttelt den Kopf und eilt zum Tisch. Vorsichtig zieht sie ein Hexenhäuschen aus dem Beutel und betrachtet es entzückt.
Die Hexe stand vor dem Häuschen mit Hänsel und Gretel, auf dem Dach krümmte eine schwarze Katze ihren Rücken und die freie Fläche um die Figuren und zwischen den zwei kleine Tannenbäumen waren mit Süßigkeiten gefüllt.
Dieses Hexenhäuschen bekam ich als Kind und nun bekommst du es von mir.“ sagt Andrea leise.
Ingelore streicht vorsichtig über die Porzellanfiguren und denkt träumerisch, wie schön es doch wäre, wenn Fräulein Naumann ihre Mutter sein könnte.

Abends als sie der Oma ihre Schätze zeigt, tat diese etwas, was sie bisher noch nie getan hatte.
Sie streicht ihr über den Kopf und gibt ihr einen Kuss auf die Stirn.
An diesem Abend hat Ingelore der Katze Minka viel zu erzählen, als sie zusammen im Bett kuscheln.

Morgen geht es weiter

Das Hexenhäuschen ist übrigens das Orginal, das Inge von ihrer Lehrerin Frau Naumann vor über sechzig geschenkt bekam und heute noch in Ehren hält.


Kommentare:

  1. Wie schön, dass das Mädel solche Freude haben darf und das Herz von Oma taut auch auf, das gefällt mir!
    Liebe Lore, was für eine nette Geschichte mit Krishna und seiner Pfeife.
    Als ich das Foto von den schönen Figuren sah, dachte ich gleich "ob die wohl der Lore gehören?" Ich habe nämlich ähnliche Figuren, ich schätze aus der gleichen Werkstatt. Meine sind Rotkäppchen, eine Tanne ohne Schnee und der Wolf. Ich bekam sie als ganz kleines Mädchen von einem Nachbarn geschenkt und ich halte sie auch in Ehren, sie stehen in meiner Vitrine.
    LG
    Marle

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  2. Liebe Lore,
    Du bist so fleißig ud schreibst so wunderbare Geschichten. Ich muss mich ganz schön sputen, denn ich habe noch bisschen was nachzulesen bei dir. So schnell kann ich gar nicht lesen, wie Du Deine Geschichten schreibst ;-) . Aber sei gewiss, ich schaue immer vorbei, auch wenn ich nicht zum Kommentieren komme.
    LG
    Astrid

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