Freitag, 18. November 2016

Die Zaubergeige Fortsetzung 4





Der Bürgermeister hat nach dem Tod der alten Leni angeordnet, dass Bäume im Gemeindewald gefällt werden und jeder Bewohner bekam Holz zum Heizen zugeteilt.
Natürlich wurden sie angewiesen sparsam damit umzugehen, denn niemand wusste wie lange der Winter noch dauert.
Die Kinder saßen in der Schule in dicken Jacken und so sehr Lehrer Hempel sich bemühte, hatten sie doch wenig Lust zum Lernen.
Nur Pascal hörte aufmerksam zu und schrieb nur Einsen.
Was Arne, der nur schlechte Noten bekam, nur noch mehr gegen ihn aufbrachte.
Heute hatten sie eine Deutsch – Probe herausbekommen und wie nicht anders zu erwarten hatte er eine Fünf.
Das würde wieder Backpfeifen vom Vater geben und seine Mutter würde Jammern und Klagen, dann würden sie zu streiten anfangen und sich gegenseitig die Schuld an ihrem missratenem Sohn geben.
Und bei all dem Gezanke würden sie gar nicht bemerken, dass er schon längst das Haus verlassen hatte, um ihren streitenden Stimmen zu entgehen.
Sein Blick fiel auf den strahlenden Pascal und sein Blick wurde wütend.
Sicher hatte der wieder eine Eins, das Muttersöhnchen und Liebling der Lehrer und wurde auch besser benotet, weil er ja ein lahmes Bein hatte, der arme Junge.
Ja genauso war es!
Und er bekam nur schlechte Noten, weil er ja sowieso nichts taugte, wie ihm seine Eltern jeden Tag klar machten.
Aber er würde es diesem lahmen Weichling heimzahlen!
Und sofort wurde seine Laune wieder besser.



Als am Nachmittag Pascal zum Geigenunterricht geht stellt sich ihm Arne in den Weg.
Na, wenn das nicht Meister Hinkebein persönlich ist,“ höhnt er.
Pascal versucht an ihm vorbei zu kommen, doch da tauchen wie aus dem Nichts Rudi und Andreas auf.
Grinsend umkreisen sie ihn und hilfesuchend sieht Pascal sich um.
Doch bei dieser Kälte bleiben die Bewohner lieber zuhause.
Obwohl ihm etwas mulmig zumute ist sieht er doch die drei Flegel ruhig an.
Lasst mich bitte vorbei, ich komme zu spät zum Unterricht.“
Arne lacht spöttisch:
Ich komme zu spät zum Unterricht,“ äfft er ihn nach und mit einer blitzschnellen Bewegung entreißt er Pascal den Geigenkasten und läuft davon.
Johlend jagen seine Freunde hinterher und sie beginnen sich den Geigenkasten gegenseitig zuzuwerfen.
Entsetzt verfolgt Pascal wie der schwarze Behälter wirbelnd durch die Luft fliegt und so schnell es sein lahmes Bein zulässt rennt er den Jungen hinterher.
Immer übermütiger werden diese und dann passiert es.
Arne stolpert, fällt rückwärts und der Geigenkasten fliegt über ihn hinweg und kracht zu Boden.
Andreas und Rudi bleiben erschrocken stehen, drehen sich um und laufen davon.
 
Pascal ist inzwischen neben seinem Kasten in die Knie gegangen und öffnet ihn vorsichtig.

Entsetzt keucht er auf, als er die zerbrochene Geige sieht.
Arne ist aufgestanden und steht nun neben Pascal, ebenso entsetzt wie dieser.
Das hatte er nicht gewollt!
Pascal aber sieht zu ihm auf.Tränen strömen über sein Gesicht und anklagend ruft er.
Bist du nun zufrieden!
Ich kann nicht Fußball spielen wie du, ich kann auch nicht auf dem Weiher Schlittschuh laufen, obwohl ich es gerne täte.
Ich kann vieles nicht mit meinem lahmen Bein, aber ich liebe die Musik und das Geigen spielen und deshalb haben meine Eltern mir diese Geige geschenkt.
Weißt du, dass mein Vater Überstunden machte und meine Mutter drei verschiedene Putzplätze angenommen hat, damit sie mir die Geige kaufen konnten. 
Und du hast sie einfach kaputt gemacht, nur aus Langweile. Warum hasst du mich so?
Mühsam steht Pascal auf, nimmt den Geigenkasten und geht mit gesenktem Kopf nach Hause, während die Tränen über sein Gesicht laufen.
Arne aber steht mit hängenden Armen da und sieht der traurigen kleinen Gestalt nach.
Besorgt kommt die Mutter Pascal entgegen, als er das Haus betritt.
Was ist passiert? Herr Bellini hat schon angerufen, wo du bleibst.
Pascal schluchzt auf, „die Geige ist kaputt“
Die Mutter erschrickt, nimmt ihn tröstend in die Arme und packt ihn dann ins Bett.
Der Junge ist froh, dass sie nicht weiter fragt, denn aus irgendeinem Grund will er Arne nicht verraten und seine Mutter anlügen möchte er auch nicht.
Am nächsten Tag hat er hohes Fieber.
Nervenfieber, wie der Arzt meint.
Arne sieht immer wieder auf den verwaisten Stuhl in der Schule und atmet auf, als nach einer Woche Pascal wieder in die Schule kommt.
Herr Bellini leiht Pascal seine Geige und so kann er weiter Unterricht nehmen, aber er weigert sich diese Geige zum Üben mit nach Hause zu nehmen, fürchtet er doch dass die bösen Buben auch dieses schöne Stück zerstören.
Irgendwie hat er auch die Freude am Spielen verloren.



Morgen geht es weiter

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