Mittwoch, 30. November 2016

Wie Ingelore Weihnachten findet Ende

Kurz vor dem 4. Adventssonntag und auch am letzten ihrer Basteltage, sitzt Frau Naumann wieder in ihrem gemütlichen Sessel mit der Brille auf der Nase und dem Buch auf dem Schoß.




Der Stern von Bethlehem


Seit Tagen schon herrscht Aufregung im Himmel, die Engel schwirren umher, der Erzengel Gabriel ist noch strenger und alles war irgendwie anders als sonst.
Mauritzius ein kleiner Engel kauert auf einer Wolke, den Kopf in die Hand gestützt und grübelt darüber nach, was er gehört hat.
Gottes Sohn sollte als Seele in einen kleinen Jungen schlüpfen, den eine Maria einem Josef gebar.
Es hieß, er wolle die Menschen retten.
Mauritzius schüttelt sich bei dem Gedanken, dass der liebenswürdige und nette Sohn Gottes mitten unter diesen Menschen in Zukunft leben sollte.
Und warum müssen diese dummen Geschöpfe überhaupt gerettet werden.
Er, Mauritzius beobachtet sie öfter durch ein Loch in der Wolke und was er sah gefiel ihm gar nicht. Sie stritten, schlugen sich, betrogen sich und waren alles andere als nett zueinander. Dann führten sie wieder Kriege, um anderen ihr Land zu nehmen.
Man musste wohl so gut wie Gott sein, um sie trotzdem zu lieben.
Er, Maurtzius mochte die Menschen überhaupt nicht und bedauerte den lieben Sohn Gottes.
Gisbert sein Freund setzt sich neben ihn.
Weißt du, dass seit Tagen ein Stern im großen Zimmer eingeschlossen ist.
Er soll den Weisen aus dem Morgenland den Weg zeigen und damit er nicht zu früh los fliegt, hat Gabriel ihn eingesperrt.“
Mauritzius zuckt die Schultern, er hat davon gehört und auch beobachtet wie die Engel sich um das Schlüsselloch scharrten, um einen Blick auf den wunderschönen Stern zu erhaschen.
Ihn interessiert dies nicht, denn er war viel zu traurig über die ganze Sache.
Gisbert zupfte ihn an der Schulter.
Komm Gabriel hat den Schlüssel stecken lassen, wir wollen uns den Stern betrachten.
Lustlos folgt Maurtzius seinem Freund.
Es steckt tatsächlich der Schlüssel in der Tür.
Pass auf, dass niemand kommt,“ flüstert Gisbert, dann dreht er den Schlüssel herum und öffnet vorsichtig die Tür.
Etwas stemmt sich dagegen, der Engel purzelt auf den Boden und der Stern schwebt an ihnen vorbei.
Mit offenem Mund starren die zwei Engel dem Stern hinterher.
Hast du gesehen, wie schön er ist,“ flüstert Gisbert ehrfürchtig.
Mauritzius sieht ihn finster an. „ Ja und hast du bemerkt, dass er entwischt ist und viel zu früh auf der Erde ankommt?“



Auweia!“
Ja, auweia, steh auf, wir müssen ihn suchen, bevor er den Himmel verlässt.“
Sie laufen nun durch den Himmel dem Stern nach, dessen langen Schweif sie in der Ferne sehen können. Doch dann ist er auf einmal verschwunden.
Atemlos erreichen sie ein Loch in den Wolken und legen sich bäuchlings hin und sehen hinunter.
Weit unter ihnen schwebt der Stern der Erde entgegen.
Wir müssen ihm nach und ihn suchen.“ meint Mauritzius entschlossen.
Gisbert wird blass, doch unter dem grimmigen Blick seines Freundes nickt er wenig begeistert.
Sie gehen zusammen zum Sandmännchen.
Natürlich liegt es im Bett und schläft tief und fest.
Schließlich ist es ja die ganze Nacht unterwegs.
Mauritzius rüttelt es sanft.
Das Sandmännchen dreht sich murmelnd um und schläft weiter.
Bitte, Sandmännchen du musst uns helfen!“
Dieses öffnet die Augen und sieht die beiden Engel nicht gerade freundlich an.
Wisst ihr Bengel denn nicht, dass ich die ganz Nacht unterwegs war?“
Doch, aber der Stern von Gottes Sohn ist uns entwischt.“
Nun ist das Sandmännchen hellwach. Es grummelt in seinen Bart und sein Blick ist alles andere als freundlich.
Ich vermute, ihr habt was damit zu tun?“
Die beiden Engel nicken schuldbewusst.
Was wollt ihr dann von mir?“
Kannst du uns helfen auf die Erde zu kommen.“
Seufzend verlässt das Sandmännchen sein warmes Bett, nimmt seinen Sack und folgt den Beiden zu der Wolke.
Er nimmt seinen Sternstaub und lässt ihn durch die Wolken rieseln. Eine breite glitzernde Straße ist zu sehen und die beiden Engel rutschen jubelnd hinunter.
Das Sandmännchen sieht ihnen einen Moment nach, dann dreht es sich um und schlurft zurück in seine Kammer.
Es bemerkt nicht den Erzengel Gabriel der mit verschränkten Armen und einem Lächeln das ganze beobachtet hat.
Mauritzius und Gisbert kommen unten an und landen mitten im Wüstensand.
In der Nähe stehen einige Kamele und glotzen sie dumm an.
Die Beiden rappeln sich auf und klopfen den Sand aus ihren Engelskleidchen.
Ein großes Zelt steht nicht weit vor ihnen und sie gehen vorsichtig darauf zu.
Einer alter Mann sitzt davor,um den Kopf ein weißes Tuch geschlungen und neben sich eine Wasserpfeife.
Er winkt sie heran.
Ihr gehört wohl auch zu den Fremden, die zur Volkszählung nach Bethlehem wollen.“
Nein, wir sind E...!“
Mauritzius gibt Gisbert einen Rempler.
Ist es denn noch weit bis dorthin?“
Zu Fuß drei Tage, ein beschwerlicher Weg, besonders barfuß.“
Er blickt auf die Füße der Engel.
Habt wohl kein Geld!“
Er winkt einer jungen Frau und einem Jungen, die Wasserkrüge auf dem Kopf balancieren.
Großvater , was willst du, wir wollen die Krüge zu Großmutter bringen,“ fragt das junge Mädchen.
Der Alte zeigt auf die Engel.
Nehmt sie mit, die Großmutter soll ihnen zu Essen geben und Sandalen. Auch soll sie ihnen von der Kleidung von Sali etwas heraus suchen.“
Er wendet sich an die Engel.
So könnt ihr nicht nach Bethlehem.
Diese kurzen Röckchen sind vielleicht dort geeignet, wo ihr herkommt. Aber hier bei uns brennt die Sonne unbarmherzig vom Himmel, da braucht ihr schon die richtige Kleidung.“
Das Mädchen und der Junge nehmen die beiden Engel mit und während der Junge Sandalen und Kleidung für sie zusammen sucht, setzt ihnen die alte Frau Fladen und Fisch vor.
Sie schöpft mit einer Kelle Wasser aus einem Krug und lässt sie davon trinken.
Nachdem sie sich dann angezogen haben, reicht ihnen die Frau einen großen Wasserschlauch.
Gute Reise!“ wünscht sie.
Die beiden bedanken sich und als sie am Zelt vorbeikommen, winkt der Alte sie zu sich.
Hier diesen Esel schenke ich euch. Er ist kräftig genug, euch beide zu tragen.“
Jetzt sehen sie Sali, der grinsend einen Esel hinter sich herzieht.
Die Engel steigen auf und der Alte, seine Frau und
ihre Enkelkinder winken ihnen nach und rufen:
Gute Reise.“
Als sie eine Weile auf dem Esel geritten sind, meinte Gisbert:
Diese Menschen waren sehr nett.“
Mauritzius schweigt.
Der Weg führte sie durch die endlose Wüste und sengende Hitze. Nur kurz halten sie an, trinken aus dem Wasserschlauch, gießen etwas in die hohlen Hände und geben dem Esel auch zu trinken.
Als die Sonne wie ein blutroter Ball untergeht, finden sie eine Höhle in der sie schlafen können.
Am nächsten Tag kommen sie in einen Ort.
Am Eingang steht eine kleine Lehmhütte und eine alte Frau tritt gerade heraus.
Sie beschattet die Augen mit der Hand und grüßt.
Salem, seid ihr auch unterwegs nach Bethlehem zur Volkszählung?“
Die beiden Engel bejahen.
Mitleidig sieht sie ihre verstaubte Kleidung.
Ihr werdet sicher Hunger und Durst haben. Dort hinten am Brunnen könnt ihr euch waschen.“
Mauritzius und Gisbert waschen sich und betreten dann die Hütte.
Ein Mann, eine junge Frau und zwei Kinder sitzen auf dem Boden und essen aus einer Schüssel.
Die alte Frau, die sie draußen begrüßt hatte, kommt aus dem Hintergrund der Hütte, in der Hand trägt sie einige Fladen. Sie reicht sie der jungen Frau die sie verteilt.
Die alte Frau aber bricht den Fladen, den sie in der Hand hält und gibt jedem der Engel einen Teil.
Setzt euch und nehmt von dem Hirsebrei.“
Die anderen rückten ein wenig zusammen und still speisen sie, bis die große Schüssel geleert ist.
Der Mann erhebt sich und verlässt die Hütte.
Mein Schwiegersohn muss aufs Feld.“ erklärt die Frau.
Die Kinder sehen ihre Mutter an.
Dürfen wir spielen?“
Lächelnd nickt diese, dann wendet sie sich an ihre Gäste.
Ich werde euren Wasserschlauch füllen und etwas Proviant richten, für eure Weiterreise.“
Und auch sie verlässt die Lehmhütte.
Die alte Frau aber wendet sich mit freundlichem Lächeln an die beiden Engel.
Bis Sonnenuntergang werdet ihr den nächsten Ort erreicht haben.
Am Eingang steht eine ähnliche Hütte wie unsere, dort wohnt meine Schwester Sarah.
Sagt ihr, dass ihre Schwester Judith euch schickt und sie wird euch aufnehmen.“
Als sie eine Weile auf dem Esel geritten sind, meinte Gisbert begeistert.
Die Menschen sind aber nett!“
Wieder schweigt Mauritzius.
Auch bei Sarah werden sie freundlich empfangen, bekommen zu Essen und ein Nachtlager.
Am nächsten Tag reiten sie weiter.
Am Nachmittag kommen sie zu einer großen Schafherde.
Die Hirten winken sie herbei und laden sie ein an ihrem Lagerfeuer Platz zu nehmen.
Großzügig werden sie mit Milch, Käse und Fladen bewirtet.
Auf einmal wird es hell und ein Engel erscheint.
Er verkündet den Hirten, dass der Retter geboren sei und als Kind in Windeln in einem Stall in Bethlehem liegt.
Die Hirten sind erst ganz benommen, doch dann stehen sie auf, nehmen zwei Schafe und Proviant und Milch für das Kind und wandern ins nahe gelegene Bethlehem.
Maurtzius und Gisbert folgen mit dem Esel.
In Bethlehmen herrscht großes Gedränge, denn viele Fremde sind in der Stadt und die Hirten stehen etwas ratlos und wissen nicht, in welchem Stall das Kind, das der Messias sein sollte, wohl war.
Mauritzius und Gisbert aber sehen den gesuchten Stern, der über einer Steingrotte schwebt und sie führen die Hirten dorthin.



Staunend scharren sich die rauen einfachen Männer um die Krippe und andächtig sinken sie auf die Knie, denn ein großen Leuchten umgab das kleine Kind.
Der Esel aber stößt ein freudiges „Iaaah“ aus und stellt sich neben die Krippe, auf deren anderen Seite bereits ein Ochse ist.
Plötzlich ist der Erzengel Gabriel da und legt jedem der beiden Engel die Hand auf die Schulter.
Beide werden blass und sehen schuldbewusst zu dem gestrengen Erzengel empor.
Dieser aber lächelt freundlich und erklärt.
Der Stern von Bethlehem ist keineswegs zu früh auf die Erde gekommen. Gott wollte, dass ihr ihm folgt, damit du Mauritzius die Menschen kennen lernst. Denn es sind nicht alle böse und schlecht.
Es gibt viele gute Menschen und diese zu retten, ist das Opfer das Gott und sein Sohn bringen wohl wert.
Zweifle nie mehr an Gottes Weisheit, lieber Mauritzius.“
Dieser nickt errötend.
Was wird aus dem Esel?“ fragt Gisbert, der das Tier lieb gewonnen hat.
Gabriel lächelt.
Das ist der Esel, der die Heilige Familie nach Ägypten bringen wird, um sie vor König Herodes in Sicherheit zu bringen. Nun kommt.“
Und an jeder Hand einen Engel fliegt er in den Himmel.
Und wenn in Zukunft Mauritzius die Menschen durch ein Wolkenloch beobachtet, dann sieht er nicht mehr nur die Bösen, sondern er hält Ausschau nach den Guten.“
Frau Naumann lässt das Buch sinken.
Nun, das ist wohl die letzte Geschichte. Morgen ist der vierte Advent und ihr werdet eure Basteleien auf dem Weihnachtsbasar verkaufen.“
Ingelore ist etwas enttäuscht. War jetzt die schöne in der Villa Naumann vorbei?
Als hätte Andrea ihre Gedanken erahnt, meint sie lächelnd.
Kannst du morgen früh um sieben Uhr zu uns kommen, dann frühstücken wir gemeinsam und anschließend bauen wir vor der Kirche unsere Basteleien auf. Der Verkauf beginnt nach der zehn Uhr Messe, so ungefähr um elf .“
Ach ja, und bring die Oma mit, die kann mir dann Gesellschaft leisten.“ lacht Frau Naumann.
Eine sehr glückliche Ingelore geht heute nach Haus.


Pünktlich um sieben Uhr stehen Marga und ihre Enkelin vor der Villa Naumann. Beide hatten sich fein gemacht.
Ingelore staunt über ihre Oma, die so anders auf einmal ist. Sie lacht und scherzt mit Frau Naumann. Verschwunden ist der strenge mürrische Blick und sie sieht auf einmal jünger und schöner aus.
Der Basar wird ein voller Erfolg. Die Leute scharren sich um ihren Tisch und viele bewundernde Laute ertönen, als sie die hübschen kleinen Krippen und die herrlichen Sterne sehen. Es sind viele Menschen auch aus den Nachbardörfern da und der Stand ist schon halb leer, als Ingelore ihre Oma und Frau Naumann, die Arm in Arm über den Platz schlendern, bemerkt.
Staunend betrachtet Marga die kleinen Krippen. Sie hebt eines der zarten Gebilde hoch und ruft überrascht, „aber da ist ja unsere Minka!“
Ingelore lächelt und freut sich, dass die Oma dies gleich erkannt hat.
Marga stellt die Krippe vorsichtig auf den Tisch und sieht ihre Enkelin stolz und voller Bewunderung an.
Das hast du wunderschön gemacht. Du bist eine richtige Künstlerin.“
Ingelore läuft um den Tisch herum und fällt ihrer Oma um den Hals. Nach kurzem Zögern drückt diese sie fest an sich.
Hallo, wird man hier nicht bedient!“ ruft ein älterer Mann etwas ungeduldig.
Sofort!“
Marga und Christiane sehen noch eine Weile amüsiert zu, wie Ingelore mit dem Mann um den Preis feilscht, dann schlendern sie weiter, um auch die andern Tische zu betrachten.
Ingelore aber legt die Krippe, auf der Minka zu sehen ist, beiseite. Die sollte die Oma zu Weihnachten bekommen.
Andrea hatte ein längeres Gespräch mit Pfarrer Gietl und kommt nun wieder aus der Kirche.
Um ein Uhr war der Tisch leer. Alles war verkauft
und sie hatten beträchtliche Einnahmen, die für einen guten Zweck bestimmt waren.
Andrea zählte das Geld und liefert es dem Pfarrer ab, dieser kommt heraus und reicht Ingelore die Hand.
Das hast du wirklich gut gemacht. Ich danke dir.“
Das Mädchen errötet vor Freude und macht einen Knicks.
Fräulein Naumann hatte recht, der neue Pfarrer war nicht wie Pfarrer Broderick.
In der Villa Naumann führt Andrea das Mädchen ins Arbeitszimmer.
Hier, ich habe noch weihnachtliches Geschenkpapier, damit kannst du die Krippe für deine Oma einpacken.“
Sie hilft ihr dabei und mit den Sternen, die Ingelore auch zurückbehalten hat, wird das Päckchen geschmückt.
Wie zwei Verschwörer betrachten sie ihr Werk.
Du kannst es ja gleich hier lassen, da ihr sowieso den Heiligen Abend bei uns verbringt.“
Dann gehen sie ins Esszimmer, wo Gretchen bereits aufträgt.
Die vier feiern einen wunderschönen Advent zusammen und als Ingelore glücklich in ihrem Bett liegt, erzählt sie Minka, die geduldig mit geschlossenen Augen zuhört, von ihrem Glück.





Am Mittwoch war Hl. Abend.
Wie staunte Ingelore als sie im Wohnzimmer den großen bis zur Decke reichenden Christbaum sah.
Andrea setzt sich ans Klavier und sie singen Weihnachtlieder und in Ingelores Magen kribbelt es ganz komisch vor Freude und Glück.
Nun darf das Mädchen als erstes ihre Geschenke auspacken und die drei Erwachsenen beobachten sie gespannt.
Jubelnd hält Ingelore den roten Wintermantel an sich und jubelt weiter,als sie die dazu passende Mütze, Schal, Handschuhe und noch einen hübschen kleinen Muff auspackt.
Nun liegt noch ein schweres dickes Paket auf dem Tischchen und als sie das schöne bunte Papier entfernt, kommt das Geschichtenbuch zum Vorschein.
Damit du auch die anderen Geschichten noch lesen kannst.“ meint Frau Naumann lächelnd.
Das glückliche Mädchen fällt den Dreien abwechselnd um den Hals.
Nun ist Marga dran. Mutter und Tochter Naumann habe sich gegenseitig nichts geschenkt und auch ihre Gäste gebeten, es nicht zu tun.
Zuerst öffnet sie das Geschenk von Ingelore und ist gerührt, als sie die Krippe sieht, die ihr so besonders gut gefallen hat.
Sie nimmt das Mädchen am Kopf und gibt ihr einen liebevollen Kuss.
In dem anderen Paket befindet sich ein Wintermantel und die dazu passende Pelzmütze.
Sie ist ganz stumm vor Freude und hält sich die Mütze an ihre Wange.
Tränen schimmern in ihren Augen und rinnen die Wangen runter, als sie dann den großen Umschlag aufmacht,auf dem ihr Name seht und die beiden Schreiben liest.
Sie umarmt ihre Freundin Christiane.
Das eine war eine Urkunde über eine Grabstätte hier im Ort und das andere eine Bestätigung,
dass am 8. Januar um 10.15 Uhr die Urne der
Dorle Benken von der Kreisstadt P in den Ort S überführt wird.
Marga muss sich setzen und Ingelore sitzt neben ihr und legt ihren Kopf an ihre Schulter.
Die Damen Naumann betrachten die Beiden gerührt.
Vergnügt wird später gefeiert bei, Ingelore zuliebe, Kinderpunsch und Plätzchen.
In der Christmette sitzt Ingelore dann zwischen ihrer Oma und den Damen Naumann.
Nun weiß sie,was das Fest Weihnachten bedeutet.
Es hat mit Liebe zu tun, mit viel Liebe, die man geschenkt bekommt und weiter verschenkt.
Ihr Blick streift Andrea, die sie heute gefragt hat, ob sie sich im Januar taufen lassen will.
Und Andrea wird ihre Taufpatin.
Ingelore lächelt.
Eine Taufpatin war ja auch so etwas ähnliches wie eine Mutter.
Und als sie alle aufstanden und das herrliche Lied:
Stille Nacht, Heilige Nacht... sangen, da sieht Ingelore nach vorne zu dem Jesuskind in der Krippe und ihr Lippen formen: „Danke!“

Nun wünsche ich euch noch einen schönen Tag, genießt ihn und Morgen gibt es eine neue Geschichte.




Dienstag, 29. November 2016

Wie Ingelore Weihnachten findet Fortsetzung 8





Ingelore aber freut sich schon auf die schönen Geschichten, die Frau Naumann wieder vorlesen wird und nicht enttäuscht.






Wie`s Gritele mit dem Christkind sprach



Gritele liegt bäuchlings auf dem Boden vor sich ein Blatt weißes Papier, in der Hand einen blauen Stift.
Eigentlich heißt sie ja Brigitte, aber jeder nennt sie nur Gritele.
Jetzt scheint sie eine Idee zu haben, denn der Stift fährt eifrig über das Blatt und zaubert ein blaues Strichmännchen.
Dann setzt sie noch eine Reihe „Os“ unter die Zeichnung, denn das ist der einzige Buchstabe den sie kennt.
Zufrieden betrachtet sie ihr Werk, springt auf und läuft in die Küche.
Die Mutter strickt und der Vater liest Zeitung.
Gritele legt die Zeichnung stolz vor die Mutter und klettert auf einen Stuhl.
Wie schön, du hast mir ein Bild gemalt!“ ruft die Mutter erfreut.
Gritele schüttelt den Kopf.
Nein, das ist ein Brief an das Christkind, du musst ihn zusammen falten und auf die Fensterbank legen, damit die Englein ihn holen können. Ich wünsche mir nämlich ein Puppe zu Weihnachten.“
Die Mutter wird etwas blass und der Vater hebt den Kopf.
Das Christkind bringt keine Puppe,“ meint er barsch und Gritele sieht ihn mit großen Augen an.
Aber warum denn nicht? Ich war doch ganz brav?“
Der Vater sieht in die Augen seines Kindes und es schmerzt ihn, deshalb sagt er schroffer, als er
wollte.
Weil das Christkind nicht zu armen Leuten kommt, also schlag dir die Idee aus dem Kopf.“
Doch Gritele gibt nicht nach.
Das Christkind kommt zu allen Kinder, ob arm oder reich, denn es liebt die Kinder, so hat der Herr Pfarrer gesagt.“
Was weiß denn der schon!“ grollt der Vater und die Mutter wirft ihm einen warnenden Blick zu.
Es gibt keine Puppe und nun will ich nichts mehr davon hören!“
Gritele sieht ihn an, Tränen sammeln sich in ihren Augen und die Unterlippe bebt.
Du bist gemein, ich mag dich gar nicht mehr leiden!“
Sie springt vom Stuhl und verlässt die Küche.
Musste das sein?“ fragt die Mutter vorwurfsvoll.
Glaubst du denn, es tut mir nicht weh, dass ich dem Kind seinen Wunsch nicht erfüllen kann!“
Er springt auf und verlässt ebenfalls die Küche.
Die Mutter aber vergräbt den Kopf in beiden Händen und ihre Schultern zucken.
Seit die große Fabrik schließen musste waren die meisten hier im Viertel arbeitslos und ihr Mann konnte schwer damit fertig werden.
Energisch richtet sie sich auf und wischt sich die Tränen ab.
Dann blickt sie auf den großen Korb mit aufgetrennter Wolle.
Sie hatte zwei ihrer Pullover aufgetrennt, um für Gritele etwas zu stricken, damit wenigstens ein Päckchen unter dem alten Plastikbaum lag.
Die Wolle würde doch bestimmt noch für einen kleinen Teddybären reichen.
Und bald klappern die Stricknadeln mit dem Ticken der alten Kuckucksuhr um die Wette.
Gritele aber sitzt auf der Fensterbank und sieht den Schneeflocken zu, die im Licht er Straßenlaternen tanzen.
Auf ihren Wangen sind noch die Tränenspuren zu sehen und ihr Blick ist traurig.
Die Abendmesse ist vorbei und die Menschen strömen aus der gegenüberliegenden Kirche.
Sie bleiben auf den Stufen stehen, schlagen ihr Mantelkrägen hoch und gehen mit eingezogenen Köpfen die Straße entlang.
Und dann hat Gritele eine Idee.
In der Kirche wohnt doch das Christkind.
Sie wollte hinüberlaufen und mit dem Christkind persönlich sprechen, das war ja noch besser als ein Brief.
Im Flur schlüpft sie in Stiefel und Jacke und verlässt ganz leise die Wohnung.
Bevor sie über die Straße geht, sieht sie erst nach rechts, dann nach links, wie ihr Mama das beigebracht hat.


Die schwere Kirchentür bereitet ihr etwas Mühe, aber irgendwie schafft sie es einen kleinen Spalt zu
öffnen, durch den sie hindurch schlüpfen kann.
In der Kirche ist es still und es riecht nach abgebrannten Kerzen und Weihrauch.
Vorne am Altar ist die Hl. Familie aufgebaut und zielstrebig geht das Mädchen auf die Krippe mit dem Jesuskind zu.
Sie beugt sich hinunter und gibt dem Baby einen Kuss.
Dann steht sie da und weiß nicht wie sie beginnen soll.
Doch dann gibt sie sich einen Ruck und erzählt dem Christkind, dass es ihm einen Brief geschrieben hat, weil sie sich eine Puppe wünscht, aber Papa böse geworden ist und gesagt hat: „Das Christkind kommt nicht zu armen Leuten.“
Nicht wahr, das stimmt nicht und Papa hat nicht recht, du liebst alle Leute, auch die armen. Bei uns ist es gar nicht mehr schön zu Hause, Papa ist immer schlecht gelaunt, seit er keine Arbeit mehr hat.“
Gritele kraust die Stirn und ruft:
Ich hab`s, kannst du dem Papa nicht eine neue Arbeit schenken, damit er wieder lachen kann.
Du, du...,“ Es fällt ihr nicht leicht dies zu sagen:
Du brauchst mir auch keine Puppe bringen!“
Dann beugt sie sich über das Kind und gibt ihm einen Abschiedskuss.
Noch jemand hat die Unterhaltung belauscht.
Der Pfarrer wollte gerade aus der Sakristei treten, als er das Mädchen mit dem Jesuskind sprechen
hörte und blieb stehen, um es nicht zu stören.
Jetzt tritt er heraus.
Hallo Gritele, bist du ganz allein über die Straße gelaufen.“
Das Mädchen nickt ernsthaft.
Ich musste etwas ganz Wichtiges mit dem Christkind besprechen.“
Der Pfarrer nickt.
Das Christkind wird dir sicher helfen. Aber nun komm, ich bringe dich nach Hause.“
Frau Berger erschrickt, als der Pfarrer mit dem Gritele vor der Tür steht, sie hat noch gar nicht bemerkt, dass die Kleine weg war.
Der Pfarrer lädt sie ein, nach der Kindermette am Heiligen Abend, doch zu der Weihnachtsfeier zu kommen und Frau Berger verspricht es.
Endlich kommt der lang ersehnte Tag und voller Freude öffnet Gritele das Päckchen, das unter dem kleinen Plastikbaum liegt.
Bei der Strickmütze, dem Schal und den Handschuhen liegt auch ein putziger gestrickter Teddybär.
Frau Berger beobachtet etwas ängstlich ihre kleine Tochter, doch diese drückt voller Freude den kleinen Bären an ihr Herz.
Dachte sie doch, das Christkind hätte ihr keine Puppe gebracht, weil sie einen viel größeren Wunsch erfüllen würde. Verschmitzt blickt sie zu ihrem Vater.
Was er wohl sagen würde, wenn das Christkind ihm eine neue Arbeit schenkt.
Nach der Mette geht es hinüber ins Gemeindehaus.
Unter einem großen, bis zu Decke reichender Baum der herrlich geschmückt ist mit bunten Kugeln, Engeln, und Lametta liegen viele bunte Päckchen.
Nachdem sich alle an die großen Tische gesetzt
haben, die auch weihnachtlich dekoriert sind, tritt Pfarrer Jürgens ans Mikrofon.
Wie ihr seht war das Christkind bei uns und hat für jedes Kind ein Geschenk da gelassen.
Ich werde jetzt jeden einzelnen aufrufen und ihm sein Paket überreichen.
Es dauerte etwas bis auch Gritele aufgerufen wird. Sie bedankt sich mit einem Knicks und trägt vorsichtig das Paket an den Tisch zu ihren Eltern.
Was da wohl drin war.



Als sie das Papier entfernt lacht ihr eine Puppe entgegen.
Sie erschrickt ein wenig, würde nun Papa sein Geschenk nicht erhalten?
Sie schiebt die Puppe weg, nein sie will sie gar nicht haben.
Gefällt sie dir nicht?“ flüstert ihre Mama und Papa will schon wieder los schimpfen, von wegen undankbar, aber da klopft der Herr Pfarrer an das Mikrofon und ruft:
Bitte um eure Aufmerksamkeit!
Heute ist Weihnachten, die Zeit der Wünsche und Wunder.
Und heute hat das Christkind nicht nur die Kinder beschenkt, es hat auch an die Erwachsenen gedacht.
Die Firma Grossmann und Co hat einen Käufer gefunden und wird nächstes Jahr wieder eröffnet
und jeder erhält seinen Arbeitsplatz zurück.“
Jubel brandet auf und Gritele schmiegt sich erschrocken an ihre Mutter.
Warum brüllen die denn alle so?“
Kind dein Vater wird wieder seine Arbeit bekommen,“ jubelt die Mutter und drückt Gritele ganz fest.
Die aber beginnt zu strahlen und nun endlich nimmt sie ihre Puppe in den Arm.
Das Christkind hatte ihr beide Wünsche erfüllt.

Morgen geht es weiter




Montag, 28. November 2016

Ingelore findet Weihnachten Fortsetzung 7

Ich hoffe, ihr hattet gestern einen schönen gemütlichen Sonntag. 
Nun lehnt euch zurück, genießt euren Tee , Kakao oder Kaffee und einen Lebkuchen, ach ja eine Kerze fehlt noch und jetzt viel Spaß beim Lesen.




 


Der alte Krishna erzählt


Tobias setzt den letzten Punkt unter seinen Aufsatz. Geschafft! Er stopft das Heft in den Schulranzen und springt auf, um dann polternd die Treppe hinunter zu laufen.
Er schnürt gerade seine Stiefel, als die Mutter mit seiner kleinen Schwester an der Hand vom Keller herauf kommt.
Tobi, bist du so lieb und nimmst Andrea mit, heute kommt Frau von Ützen zur Anprobe und du weißt sie ist immer sehr eigen und vor allem empfindet sie
Kinder als störend.“
Seine Mutter war Schneiderin und der Vater hatte ihr im Keller ein Atelier eingerichtet und sie war sehr erfolgreich.
Warum kann denn Lisa nicht aufpassen!“
Lisa war das Nachbarmädchen, sie war schon Studentin und besserte gerne ihr Taschengeld durch Babysitten auf.
Lisa schreibt morgen eine Klausur und muss lernen, bitte mein Großer!“
Der Zehnjährige nickt und hilft seiner kleinen Schwester in den Schneeanzug.
Andrea freut sich, sie liebt ihren großen Bruder und geht gerne mit ihm.
Auch Tobias liebt seine kleine Schwester, aber heute wollte er mit seinem Freund Bertram am Hang zum Rodeln gehen, aber mit der Kleinen war das nicht möglich.
Er nimmt Andrea an die Hand und sie gehen den kurzen Weg zum dem Haus, in dem Bertram wohnt.
Dieser öffnet mit missmutigem Gesicht, doch als er Andrea sieht, grinst er.
Du auch? Ich muss Elke mitnehmen, denn meine Mutter muss zum Zahnarzt.“
Frau Mertens kommt in den Flur, ihre Backe ist geschwollen, doch als sie Andrea sieht, lächelt auch sie.
Da wird Elke sich aber freuen und Bertram wird auch nicht mehr so grummelig sein, wenn ihr beide heute Babysitten müsst.“
Die beiden Mädchen laufen Hand in Hand voraus, während sie Jungen ihnen langsam folgen.
Etwas sehnsüchtig sehen sie zum Hang hinüber,wo die Kinder johlend auf Schlitten oder Plastiktüten hinunter rutschen.
Was machen wir nun?“ will Bertram wissen.
Tobi zuckt die Schultern, doch dann hat er eine Idee.
Wir gehen zu Krishna!“

Krishna war der alte Schäfer des Dorfes und wohnte mit seinen Schafen in einem umgebauten Schuppen.
Er war früher zur See gefahren und konnte wunderbare Geschichten erzählen, von Haien, Löwen und Tiger, ja, einmal war er sogar im Bauch eines Walfisches gefangen.
Und beinahe wäre er auch in einem Suppentopf bei den Kannibalen gelandet.
Bald sitzen sie auf Heuballen bei dem alten Schäfer im Schuppen und hoffen auf eine Geschichte .
Der alte Mann hat aus dem Nebenraum, in dem sich eine kleine Küche befindet für alle Kakao geholt und
nun hat jedes der Kinder einen warmen Pott zwischen den Händen und aufmerksam beobachten sie Krishna dabei, wie er seine Pfeife stopft.
Der alte Schäfer lächelt und meint:
Gefällt euch wohl meine Pfeife, joo Kinders die bekam ich mal als junger Mann, vom Hl. Nikolaus geschenkt, zum Dank dafür, dass ich den Knecht Ruprecht vertreten habe.
Wollt ihr die Geschichte hören?“
Die Kinder nicken eifrig und selbst die Schafe blöken und drängen näher ans Gatter, als wollten auch sie zuhören.
Arno, der Schäferhund legt sich zu Füßen seines Herrn, der genüsslich an seiner Pfeife zieht und beginnt:
Als junger Mann bin ich zur See gefahren, wie ihr ja wisst, war eine schöne Zeit.
Nur meiner alten Mutter, der war es nicht recht, wenn ich nur alle paar Monate nach Hause kam.
Wieder einmal hatte ich Landurlaub und stapfte mit meinem Seesack auf den Schultern durch den Wald, durch den man zum Haus meiner Mutter kam.
Da hörte ich plötzlich ein komisches Geräusch, leise ging ich weiter, denn man konnte ja nie wissen, was einem so begegnet im Wald.



Da sah ich doch einen Schlittern, der umgekippt im Schnee lag und in einem großen Schneehaufen steckte kopfüber ein Bär!
Nun ging ich vorsichtig näher, bisschen bange war mir schon, aber ich konnte das arme Tier ja nicht so liegen lassen.
Also fasste ich von hinten an das zotteligen Fell und zog kräftig daran.
Auf einmal gab es einen Ruck und beide saßen wir im Schnee.
Nu fing doch der Bär plötzlich zu sprechen an und ich sah, dass es ein potthässlicher Kerl war, der nur einen zotteligen Mantel anhatte.
Danke Krishna,“ stöhnte er, „ich hätte beinahe keine Luft mehr bekommen.
Woher kennst du mich denn?“ fragte ich perplex.
Ich kenne dich schon seit deiner Kindheit, warst ein wilder Bursche und hast deiner Mutter viel Kummer gemacht, mehr als einmal musste ich die Rute da lassen. Ich bin nämlich Knecht Ruprecht!“
Und wo ist der Hl.Nikolaus?“
Der besucht gerade einige Kinder im Dorf.
Ich sollte im Schlitten warten, weil einige Mädels sich so fürchten vor mir.
Und weil mir langweilige war, bin ich ein wenig spazieren geflogen, aber nicht hoch genug, habe mich in den Bäumen verheddert und diese Bruchlandung hingelegt. Hilf mir mal hoch!“
Immer noch verdatterte half ich ihm auf die Beine, doch mit einem Stöhnen kippte er wieder um.
Ich konnte ihn gerade noch festhalten und half ihm sich auf meinen Seesack zu setzen.
Er rieb sein Bein. „Ich denke es ist gebrochen,“ jammerte er.
Da ich etwas von Heilkunde von meiner Mutter gelernt hatte, untersuchte ich das stark geschwollene Bein. Es war nicht gebrochen, aber wohl verstaucht.
Aber wisst ihr was Kinners, der olle Kinderschreck jammerte wie eine Memme.




Dann kam der Hl. Nikolaus in Begleitung zweier Engel zwischen den Bäumen auf uns zu.
Der heilige Mann betrachtete kopfschüttelnd das Häufchen Elend, das da zusammen gekauert auf meinem Seesack hockte, dann sah er hinüber zu dem umgestürzten Schlitten.
Denkst du Krishna, du kannst den Schlitten alleine aufrichten, Ruprecht wird dir wohl nicht helfen können.“
Dieser zog den Kopf ein und wurde tatsächlich rot.
Bald hatte ich den Schlitten wieder startbereit.
Ich warf meinen Seesack auf den Rücksitz und half dem ollen Ruprecht, der keinen Laut von sich gab
und kein bisschen mehr jammert, hinauf.
Die Engel kletterten auch auf den Seesack und hüpften kichernd darauf herum.
Ich selbst aber klemmte mich hinter das Steuer und der Hl. Mann setzte sich neben mich.
Denkst du, du kannst den Schlitten fahren?“ fragte der Nikolaus.
Ich besah mir die vielen Knöpfe und meinte etwas großspurig:
Wer einen großen Dampfer fahren kann, der kann auch so ein kleines Ding vorwärts bringen!“
Na,na!“ meinte der Hl. Nikolaus.
Ich ließ mir von Knecht Ruprecht die vielen Knöpfe erklären, dann drückte ich vorsichtig auf den Startknopf.
Der Schlitten ruckelte ein wenig, hopste in die Höhe und blieb still stehen.
Nach einigen Versuchen hatte ich es raus wie man das Ding in Bewegung setzte und potzblitz standen wir vor Mutterns Hütte.
Die Gute war ganz aufgeregt, als wir plötzlich alle in der Stube standen.
Sie führte den Bischof zu ihrem Lieblingssessel am Kamin und den Engeln drückte sie jedem einen Keks in die Hand.
Ich hatte Knecht Ruprecht inzwischen bei der Ofenbank abgeladen, der keinen Mucks abgab, denn er schämte sich wohl vor dem hl.Mann
Als ich ihm mit meinem Messer den Stiefel aufgeschnitten hatte, begann das Bein anzuschwellen wie eine rote Melone.
Meine Mutter holte gleich ihre Töpfchen mit Salben und Tinkturen und ich setzte mich an den Tisch und suchte nach meiner Pfeife.
Dann fiel mir ein, dass sie ja auf der letzten Reise über Bord gefallen war und sich nun sicher der Wassermann daran erfreute.
St. Nikolaus aber bat mich, ihn doch anstelle von Knecht Ruprecht zu begleiten, denn so wie es aussieht, wäre der im Moment keine große Hilfe.
Sie müssten nur noch die umliegenden Dörfer besuchen, dann ging es zurück in den Himmel.
Natürlich sagte ich zu und bemerkte, dass meine Mutter mächtig stolz auf mich war.
Ich schlüpfte also in den zotteligen Mantel von Knecht Ruprecht.
Als dieser mich darauf hinwies, dass in der rechten Manteltasche die Rute steckt, schüttelte ich den Kopf.
Ne, ich erschrecke keine kleinen Kinder und schlage sie auch nicht!“
Musst du auch nicht, du kannst im Schlitten draußen warten. Es sind überwiegend brave Kinder die wir besuchen und bei den wenigen Raubauken, genügt es wenn du durch das Fenster guckst.
Gerade die Wildesten fürchten sich am meisten.
Und Knecht Ruprecht schlägt auch keine Kinder, das würde ich nie erlauben. Er übertreibt es nur manchmal mit seinen Drohungen.“ beruhigte mich der Nikolaus.
Dann ging es los. Schneller als der Wind sausten wir durch die Gegend und es war weit nach Mitternacht, als wir wieder vor Mutterns Hütte standen.
Knecht Ruprecht saß auf der Ofenbank, das dick verbundene Bein auf einem Schemel und schlürfte mit vergnügtem Gesicht eine Tasse Kakao.
Bald hatten auch wir jeder eine Tasse Kakao in der Hand, dazu hatte Muttern eine große Platte mit belegten Broten gemacht und freute sich wie wir reinhauten.
Wir erzählten und lachten bis die Sonne aufging, dann weckten wir die Engel, die auf dem Sofa eingeschlafen waren und ich half Knecht Ruprecht auf den Schlitten.
Diesmal musste er fahren, aber da dank meiner Mutter sein Fuß nicht mehr schmerzte war er ganz fidel.
Bevor sie abfuhren reichte der Hl. Nikolaus mir diese wunderschöne Pfeife und Muttern bekam ein warmes Wolltuch und eine schöne Schatulle für allerlei Krimskrams.
Wir winkten ihnen noch nach, bis sie nur noch ein kleiner Punkt am Horizont waren.
Die Pfeife aber habe ich bis zum heutigen Tag in Ehren gehalten.“
Eine Weile ist es still, dann seufzen die Mädchen, das war eine schöne Geschichte.
Tobias aber sieht auf seine Armbanduhr, die er zum Geburtstag geschenkt bekommen hat und meint bedauernd:
Nun müssen wir leider nach Hause.“
Sie bedanken sich bei Krishna für die heiße Schokolade und die tolle Geschichte, dann verlassen sie die Scheune.
Während die Mädchen kichernd voraus laufen, sind die beiden Jungen auffallend still.
Denkst du, die Geschichte ist wahr?“ fragt Tobi seinen Freund.
Bertram zuckt mit den Schultern.
Mein Vater sagt, dem Krishna darf man nicht alles glauben, er spinnt gerne Seemannsgarn.“
Was ist das?“
Keine Ahnung!“
Da trifft ihn ein Schneeball.
Die Mädchen haben sich kichernd hinter den
Büschen versteckt und bewerfen sie von dort mit Schneebällen.
Na wartet!“
Die Jungen bücken sich und formen nun ebenfalls Schneebälle und bald sind sie mitten in einer fröhlichen Schneeballschlacht.




In diesem Moment pocht es an der Tür, Ketten rasseln und donnernd schlägt etwas blechernes zusammen.
Ingelore zuckt zusammen und blickt erschrocken zur Tür.
Was ist denn da draußen los?“
Frau Naumann tauscht mit ihrer Tochter einen amüsierten Blick.
Gretchen hat es wohl zu sehr übertrieben.
Schmunzelnd meint Andrea.
Nun Ingelore heute ist doch Nikolaus. Vielleicht will er dir einen Besuch abstatten.“
Das Mädchen lacht.
Der Nikolaus ist doch eine Legende und außerdem klang das so,als würden die Köchin und Gretchen einige Töpfe zusammen schlagen.“
Andrea beißt sich auf die Lippen, um nicht laut loszulachen.
Das Kind war einfach zu schlau.
Weißt du was, wir sehen einfach mal nach.
Sie nimmt Ingelore an der Hand und öffnet die Tür.
Es ist niemand im Flur zu sehen.
Gretchen und die Köchin haben sich versteckt und beobachten leise kichernd was jetzt geschah.
Ingelore sucht mit den Augen den Flur ab dann fällt ihr Blick auf ein Paar wunderschöne Stiefel.
Sie lässt vor Freude einen Quietscher los und bückt sich.
Mit den Stiefeln unter dem Arm und einer Leinentasche in der anderen Hand kommt sie ins Zimmer zurück.
Sie stellt die Tasche vorsichtig auf den Tisch und setzt sich auf den Boden, um in die Stiefel zu schlüpfen.
Dann stolziert sie durch die Stube.
Frau Nauman beobachtet sie schmunzelnd.
Und passen sie?“
Das Mädchen nickt begeistert, dann fällt sie abwechselnd Mutter und Tochter Naumann um den Hals.
Danke, danke!“ stammelt sie.
Andrea lächelt. „Hast du denn schon in die Tasche geguckt.“
Ingelore schüttelt den Kopf und eilt zum Tisch. Vorsichtig zieht sie ein Hexenhäuschen aus dem Beutel und betrachtet es entzückt.
Die Hexe stand vor dem Häuschen mit Hänsel und Gretel, auf dem Dach krümmte eine schwarze Katze ihren Rücken und die freie Fläche um die Figuren und zwischen den zwei kleine Tannenbäumen waren mit Süßigkeiten gefüllt.
Dieses Hexenhäuschen bekam ich als Kind und nun bekommst du es von mir.“ sagt Andrea leise.
Ingelore streicht vorsichtig über die Porzellanfiguren und denkt träumerisch, wie schön es doch wäre, wenn Fräulein Naumann ihre Mutter sein könnte.

Abends als sie der Oma ihre Schätze zeigt, tat diese etwas, was sie bisher noch nie getan hatte.
Sie streicht ihr über den Kopf und gibt ihr einen Kuss auf die Stirn.
An diesem Abend hat Ingelore der Katze Minka viel zu erzählen, als sie zusammen im Bett kuscheln.

Morgen geht es weiter

Das Hexenhäuschen ist übrigens das Orginal, das Inge von ihrer Lehrerin Frau Naumann vor über sechzig geschenkt bekam und heute noch in Ehren hält.